Legal Tech – was bedeutet das für Verbraucher? 

14. August 2023
Legal Tech ist vor allem im Bereich des Verbraucherrechts derzeit in aller Munde. Der VSVBB erklärt, was es mit dem Begriff auf sich hat und welche Vorteile die Neuerungen für Verbraucher bringen. 

Mit dem englischen Begriff Legal Tech wird der Einsatz moderner Softwaretechnologie im Rechtswesen bezeichnet, um die Effizienz von Arbeitsabläufen zu erhöhen. Für Verbraucher hat dieser Einsatz in den letzten Jahren eine Vielzahl spürbarer Verbesserungen mit sich gebracht. Andererseits locken jedoch auch manche Kanzleien unter Verweis auf moderne Technik mit falschen Versprechen und wecken übersteigerte Erwartungen. 

Legal-Tech ermöglicht die Bearbeitung vieler Fälle in kurzer Zeit 

Der Großteil der Arbeit von Juristen und Anwälten besteht aus dem Sichten und Verfassen von Dokumenten. Ist jeder Fall völlig verschieden, so führt auch kaum ein Weg darum herum, jeweils individuelle, auf den Fall zugeschnittene Schriftsätze zu verfassen, um diesen zu bearbeiten. 

Im Bereich des Verbraucherrechts trifft gerade dies jedoch oftmals nicht zu. Im Rahmen sogenannter Massenschadensfälle können von einigen Dutzend bis zu Millionen von Verbrauchern von einer bestimmten Handlung betroffen sein. Die hieraus entstehenden “Fälle” sind daher nahezu identisch, nur die Person des Verbrauchers unterscheidet sich.  

In solchen Konstellationen – etwa der VW-Abgasskandal, der Wirecard-Betrug oder auch Flugausfälle – arbeitet ein Großteil der Kanzleien mittlerweile mit Softwarelösungen, welche diesen ermöglichen vorgefertigte Schriftsätze anhand von einigen Klicks auf den jeweiligen Verbraucher anzupassen oder auch sämtliche Urteile zu einem Themenkomplex automatisch auszuwerten. Im Ergebnis verringert sich der notwendige Arbeitsaufwand hierdurch deutlich.  

Rechtsdurchsetzung für Verbraucher oft ohne Kostenrisiko möglich 

Neben der schnelleren Bearbeitung brachte die Nutzung moderner Technik Verbrauchern jedoch vor allem einen entscheidenden Vorteil: die Möglichkeit der risikofreien Rechtsdurchsetzung. Denn durch die Steigerung der durch die Verbraucherkanzleien bearbeitbaren Fälle wurden auch sogenannte Prozesskostenfinanzierer auf den Bereich des Verbraucherrechts aufmerksam. 

Bei diesen handelt es sich letztlich um Unternehmen, welche ihren Gewinn mit der Finanzierung fremder Prozesse erwirtschaften, indem diese die Kosten für diese vorstrecken und nur im Erfolgsfall einen Teil der erstrittenen Summe einbehalten. Für die Kunden der Finanzierer hat das Konzept also vor allem deshalb Vorteile, weil diese ihren Prozess ohne jegliches eigenes Kostenrisiko führen können. 

Obwohl Prozessfinanzierung in Deutschland schon seit Anfang der 2000er Jahre betrieben wird, war der Bereich des Konsumentenrechts für die Finanzierer aufgrund der geringen Streitwerte lange Zeit kein Thema. Finanziert wurden vor allem Streitigkeiten zwischen großen Unternehmen oder Einzelfälle privater mit entsprechendem Gewicht. 

Durch die gesteigerte Effizienz der Verbraucherkanzleien wurden jedoch auch deren Fälle ein interessantes Geschäftsfeld, denn die Summe der Fälle zeitigt oft ähnliche oder gar höhere Streitwerte.  

Teilweise irreführende Werbung und versteckte Kosten 

Nicht aufgrund jedoch im Zuge des Aufkommens von Legal Tech haben sich allerdings auch Anbieter etabliert, welche potentielle Mandanten teils mit unrealistischen Werbeversprechen und ohne Hinweis auf eventuelle Kosten zu ködern versuchen.  

So wurden bereits Fälle bekannt, in welchen einzelne Kanzleien Mandanten unter Verweis auf vermeintlich sichere Erfolgschancen anwarben, während solche nie bestanden oder auch einen Hinweis auf die Selbstbeteiligung im Rahmen der Rechtsschutzversicherung unterließen. Eine Prozesskostenfinanzierung kommt nämlich in aller Regel nur bei tatsächlich vergleichsweise “sicheren” Erfolgschancen in Betracht und dies auch nur, wenn die entsprechende Rechtsprechung schon seit einiger Zeit besteht.  

Ist dies nicht der Fall, können Mandanten lediglich selbst zahlen oder ihre Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen. Auch im Falle der Rechtsschutzversicherung besteht hier ein – wenn auch geringes – Kostenrisiko. Seriöse Anbieter müssten daher auf dieses hinweisen und vor allem eine realistische Einschätzung der Erfolgschancen kommunizieren. 

Zusammenfassung 

Legal Tech brachte sowohl für Kanzleien als auch Verbraucher völlig neue Möglichkeiten. Bis wohin diese letztendlich führen, ist derzeit noch nicht abzusehen. Schon jetzt lösten die Neuerungen jedoch –zumindest teilweise – eines der Hauptprobleme im Bereich der Durchsetzung von Konsumentenrechten: die Angst vor hohen Kosten. 

Damit diese nicht durch unlautere Kanzleien erneut zum Hindernis wird, gilt es einen transparenten Markt zu schaffen und zu erhalten. Unseren Beitrag hierzu leisten wir vom VSVBB mit der Prüfung und Vermittlung seriöser Legal-Tech Kanzleien.